Meine Geschichte als Programmierer

Tastatur

Zahlen haben mich schon immer interessiert. Ich erinnere mich als ich als etwa Zwölfjähriger Diskussionen mit den Eltern hatte, weil ich nicht mit anderen Kindern spielen wollte, sondern lieber am Küchentisch die Ergebnisse der Milchleistungskontrolle nachgerechnet habe.

Deshalb war es auch nicht überraschend das ich völlig fasziniert war als vor 40 Jahren die ersten programmierbaren Taschenrechner auftauchten. Und als ich Anfang 1983 mein erstes außerhalb der Landwirtschaft verdientes Geld hatte und gleichzeitig der Commodore64 auf den Markt kam, war das meine erste Investition. Zusammen mit einer elektrischen Schreibmaschine die man an diesen Computer mit einem Kabel anschließen konnte. In meiner Freizeit machte ich dann kleine Programme für mich. Und zum Auswerten von Wettbewerben bei der Landjugend, wo ich in diesen Jahren einige Funktionen hatte. Damals war der Datenspeicher noch eine herkömmliche Musikkassette die man in ein Gerät einlegen musste, das dann eben keine Musik speicherte sondern Daten. Für heutige Verhältnisse unvorstellbar langsam. Alleine das Laden des Programms zum Auswerten von Wettbewerben dauerte eine halbe Stunde. Und das Programm musste völlig absturzsicher programmiert sein, weil ein Absturz hätte bedeutet wieder von vorne anzufangen und das hätte der Zeitrahmen mancher Veranstaltung gar nicht erlaubt. Der Erfolg, nämlich das Ergebnis auf einer Schreibmaschine automatisch getippt, war für damals auch ganz beeindruckend.

Dann folgten etwa 10 Jahre in denen ich Programmieren aus Büchern lernte, hobbymäßig programmierte, unter anderem mein erstes Buchhaltungsprogramm für die Landwirtschaft auf dem C128, dem Nachfolgemodell des Commodore 64. Von der Wertpapierverwaltung bis zur Bilanz war alles Wichtige drin. Etwas mit so vielen Zahlen wie Buchhaltung war auch da schon eine interessante Sache für mich und da habe ich immer gut aufgepasst. Mir wurde immer klarer, dass Milchbauer nicht wirklich der optimale Beruf für mich sein kann. Ich konnte am Abend ewig lang nachdenken und am Computer tippen, aber in der Früh pünktlich im Stall zu stehen und die Kühe zu melken, das ist mir sehr schwer gefallen. Und irgendwann war beschlossen, auf die Übernahme des elterlichen Betriebes zu verzichten um jene Dinge tun zu können, die ich wirklich tun wollte. Ein großes Hindernis war noch das Gewerberecht. Damals konnte man als Österreicher nicht einfach etwas programmieren und Lizenzen verkaufen. Die benötigte Gewerbeberechtigung war für mich als gelernter Milchbauer unerreichbar. Das änderte sich aber, als im Juli 1993 das für mich nötige Gewerbe ein freies Gewerbe wurde. Beim Beratungstermin in der Wirtschaftskammer wurde ich deutlich davor gewarnt, mich in diesem Bereich selbständig zu machen. Ich habe es trotzdem gemacht und heute kann ich von meinem Traumberuf (irgendwas mit Computern machen und ein bisserl Autofahren) leben.

Mein erstes Programm das ich professionell vermarkten konnte war natürlich ein Buchhaltungsprogramm. Noch für das Betriebssystem DOS. 1995 folgte mein erstes Herdenmanagementprogramm. Dafür hatte ich über Zeitungsinserate 12 Milchbauern gesucht, die mir ihre Ideen brachten und an der Entwicklung als Tester mitarbeiten wollten. Über Inserate findet man zwar nicht besonders viele Leute, aber ganz interessante Menschen, die man sonst nicht treffen würde.

Der nächste Meilenstein war 1998, als einige Bauern die bei der Fa. Wasserbauer Fütterungssysteme einen Kraftfutterautomaten gekauft hatten, bei einer Schulung in Waldneukirchen dazu ein Windows-Programm forderten und zwei davon zufällig mich kannten. Im Herbst 1998 war ich erstmals mit der Fa. Wasserbauer auf der Welser Messe um den Exklusiv-Manager, eine um die Schnittstelle zum Fütterungsautomaten erweiterten Herdenmanager vorzustellen. Inzwischen gibt es davon mehrere Versionen, auch zum neuesten Modell das dann eben Coco-Manager heißt und inzwischen eine Schnittstelle zum Fütterungsroboter Mixmeister 3000 hat.

Bei den Veranstaltungen der Fa. Wasserbauer, die mich auch heute noch zu wichtigen Messen und Veranstaltungen mitnimmt, habe ich einen Tierarzt getroffen, der sich auf Fütterung von Milchkühen spezialisiert hatte und von der Fa. Wasserbauer bei Messen und Seminaren als Experte beauftragt wurde. Irgendwann (so um das Jahr 2000) hat Herr Dr. Michael Neumayer mir dann erzählt, dass die Programmierer seines Praxisverwaltungsprogramms gebeten hatten, jemanden zu suchen der das Programm und die Betreuung der Anwender übernimmt, weil die beiden Herren andere berufliche Ziele hatten.

Dann habe ich mich überreden lassen, die Sache zu übernehmen. Allerdings konnte ich mit der Programmiersprache des Praxisprogramms nicht viel anfangen und habe deshalb vor allem im Jahr 2001 alles neu programmiert. Zumindest die wichtigsten Funktionen, das war das Rechnungswesen, das auch heute noch der Kern des Praxisverwaltungsprogramms.

Im Januar 2002, mit der Einführung des Euro als Bargeld, startete die erste Tierarztpraxis mit meinem Programm. Im Nachhinein betrachtet war es eine sehr mutige Entscheidung der beiden Herren im Oberpinzgau, Dr. Hans Gobber und Dr. Siegfried Fuchs, die Programmierung der gesamten Abrechnung ihrer Tierärztegemeinschaft in die Hände eines ihnen bis dorthin unbekannten Programmierers zu legen, nur weil ein Nachbarkollege den zufällig kannte und empfohlen hatte. Einen entscheidenden Anteil am Programm hat aber die Praxismanagerin dieser Tierärztegemeinschaft (heute Gobber – Fuchs – Aschaber), Frau Sonja Rieder, die den nötigen Plan hatte und immer wusste, was als nächstes sinnvollerweise zu programmieren ist. Ohne die langjährige Branchenerfahrung und Anleitung von Frau Rieder wäre es mit diesem Programm wahrscheinlich nichts geworden.

Mittlerweile ist das Praxisverwaltungsprogramm bei Tierärzten in Österreich schon recht gut verbreitet und nimmt einen großen Teil meiner Arbeit ein. Was leider manchmal zulasten meiner anderen Programme geht. Aber auch als Programmierer ist man gezwungen der Nachfrage zu folgen und die ist gerade jetzt in der Praxisverwaltung recht groß. Zum ursprünglichen Rechnungswesen (Behandlungen und Besamungen erfassen und die nötigen Zettel drucken, Rechnungen schreiben und verbuchen) sind inzwischen viele Dinge hinzugekommen. Vom Tiergesundheitsdienst über das Gesundheitsmonitoring Rind bis zur Antibiotika-Mengenstromanalyse wo die Abgabe von Antibiotika an Nutztierhalter nach Ablauf eines Jahres verpflichtend an eine Stelle des Gesundheitsministeriums zu melden ist. Und nebenbei wollen immer mehr Tierärzte die Kommunikation mit ihren Kunden verstärken um die Arbeit noch besser machen zu können, wo natürlich dann auch wieder mein Herdenmanagement eine Rolle spielt.

Den ganzen Tag vor Computern zu sitzen, sieht auf den ersten Blick ruhig und locker aus, kann aber ziemlich anstrengend werden.

Früher, als es das Internet noch nicht gab bzw. es recht langsam war, da waren drei Termine am Tag das Maximum. Mehr war nicht drin, und da war man schon den ganzen Tag unterwegs. Ein bis zwei Tage pro Woche und den Rest in Ruhe zuhause programmieren. Heute geht fast alles von Zuhause aus, über Fernzugriff-Software. Das hat die Arbeit aber nicht ruhiger gemacht, sondern statt drei Terminen hat man heute zehn am Computer, ohne den Sessel zu verlassen. Das bedeutet, sich auf 10 unterschiedliche Situationen einstellen zu müssen und zwar ohne Anfahrtszeit, wo man sich früher viel überlegen konnte.

Ich arbeite nach wie vor gerne und viel aber ab und zu ist es nötig das Telefon und alle Internetverbindungen abzuschalten, um einige Stunden in Ruhe programmieren zu können. Da inzwischen ein Großteil der Kommunikation über schriftliche Medien geht (E-Mail, WhatsApp, SMS, Skype), ist die ständige Erreichbarkeit am Telefon aber auch nicht mehr so wichtig. Der große Nachteil des Telefons, dass beide Gesprächspartner gleichzeitig Zeit haben müssen, tritt damit in den Hintergrund.